Bluetooth 6.0 und 6.1 sind die neuesten Generationen der Bluetooth-Kernspezifikation der Bluetooth Special Interest Group (SIG). Kern 6.0 wurde im September 2024 eingeführt, Kern 6.1 folgte im Mai 2025 mit neuen Datenschutz- und Energiesparfunktionen sowie Fehlerbehebungen. (1)
Sie bauen auf Bluetooth 5.x auf, anstatt es zu ersetzen. Man kann sie sich als “Bereitstellungs-Upgrades” vorstellen, die Bluetooth in Bezug auf Reichweitenmessung, Scannen, Datenschutz und Energieverbrauch intelligenter machen, anstatt auf Datenraten zu setzen.
Was sind die wichtigsten Merkmale der Bluetooth 6.0-Technologie?
Die offizielle Funktionsübersicht von Bluetooth Core 6.0 der SIG listet sechs Hauptneuerungen auf: Channel Sounding, Decision-Based Advertising Filtering (DBAF), Monitoring Advertisers, ISOAL-Verbesserung, LL Extended Feature Set und Frame Space Update. (1)
In der Praxis bringt Bluetooth 6.0 Folgendes mit sich:
Kanalsondierung für zentimetergenaue Entfernungsmessungen
Die Kanalortung ist das Hauptmerkmal. Sie ermöglicht es zwei Bluetooth-Geräten, die Entfernung mithilfe von phasenbasierter Entfernungsmessung und Laufzeitmessung zu messen und dabei eine Genauigkeit im Zentimeterbereich über Entfernungen von bis zu etwa 150 Metern zu erreichen.
Typische Anwendungsfälle sind digitale Schlüssel und sicherer Zugang (Autos, Türen, Schließfächer), “Mein Gerät finden”- und Artikelverfolgung ohne UWB-Silizium sowie Indoor-Positionierung für Logistik, Gesundheitswesen und Einzelhandel.
Entscheidungsbasierte Werbefilterung (DBAF)
DBAF ermöglicht es einem Scanner, anhand von Informationen aus dem primären Werbekanal zu entscheiden, ob er auf sekundären Kanälen nach zugehörigen Paketen suchen soll.
Das bedeutet:
- Weniger Zeitverschwendung durch das Entschlüsseln irrelevanter Werbung
- Weniger häufige Wechsel zu Sekundärkanälen
- Vorhersagbareres Verhalten in Umgebungen mit vielen Beacons
Comarchs Überblick DBAF wird als Möglichkeit erklärt, “den Stromverbrauch zu senken und die Leistung zu steigern”, indem auf Controller-Ebene gefiltert wird.
Werbetreibende überwachen
Vor Version 6.0 konnte ein Beobachter zwar doppelte Werbeanzeigen herausfiltern, hatte aber keine zuverlässige Möglichkeit festzustellen, wann ein Gerät die Reichweite verließ oder wieder betrat. Die übliche Notlösung waren regelmäßige, intensive Scans, was jedoch ineffizient war.
Die Überwachung von Werbetreibenden fügt Host Controller Interface (HCI)-Ereignisse hinzu, die dem Host mitteilen, wann ein überwachter Werbetreibender erscheint oder verschwindet.
Dies führt zu weniger “blinden” Scans nach bereits entfernten Geräten, einer schnelleren Wiederverbindung bei der Rückkehr der Geräte und einem besseren Benutzererlebnis für Ohrhörer, Wearables, Tags usw.
ISOAL-Erweiterung, erweiterter LL-Funktionsumfang, Aktualisierung des Frame-Bereichs
Diese drei sind eher von untergeordneter Bedeutung, aber dennoch wichtig. Was bedeuten sie?
ISOAL-Erweiterung reduziert die Latenz und verbessert die Zuverlässigkeit für isochronen Datenverkehr, insbesondere für LE-Audio- und Echtzeitanwendungen.
Erweiterter Funktionsumfang von LL Ermöglicht es Geräten, ein breiteres Spektrum an Link-Layer-Funktionen anzubieten und auszuhandeln, um zukunftssichere und umfassendere Verbindungen zu gewährleisten.
Aktualisierung des Frame-Raums macht den Abstand zwischen den Frames (T_IFS) verhandelbar anstatt fest auf 150 µs, sodass die Controller das Timing anpassen können, um Latenz- oder Robustheitsziele zu erreichen.
IoT Business News hat einen guten “Systemansicht”wie sich diese Änderungen in einer besseren Spektrumnutzung, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit niederschlagen.“.
Wie verbessert Bluetooth 6.0 die Akkulaufzeit?
In unseren IoT-Projekten ist die Akkulaufzeit meist das Erste, wonach Kunden fragen. Bluetooth 6.0 hilft dabei auf drei wesentliche Arten:
Intelligenteres Scannen und weniger Funkzeit
DBAF und Monitoring Advertisers reduzieren beide unnötige Funk- und CPU-Last:
- DBAF filtert irrelevante Werbeketten frühzeitig auf der Controller-Ebene.
- Die Überwachung von Werbetreibenden ermöglicht es dem Controller, einfache “In Reichweite / Außer Reichweite”-Ereignisse zu senden, anstatt den Host zu wiederholten Scans zu zwingen.
Die Bluetooth SIG weist ausdrücklich darauf hin, dass DBAF “die Scan-Effizienz verbessert, indem die Zeit reduziert wird, die für das Scannen von Paketen auf Sekundärkanälen aufgewendet wird, die möglicherweise keine relevanten PDUs enthalten.” (1)
Kürzere Scanzeiten bedeuten weniger Energieverbrauch pro erkanntem Gerät. In dicht besiedelten Umgebungen wie Einkaufszentren oder intelligenten Fabriken macht sich dieser Unterschied bemerkbar.
Weniger Wiederholungsversuche und effizientere Koexistenz
Bluetooth 6.0 optimiert die Zeitplanung und Koexistenz in stark frequentierten 2,4-GHz-Umgebungen mit Wi-Fi 6/7, Thread, ZigBee und proprietären Verbindungen. Dadurch werden Kollisionen, erneute Übertragungen und der Aufwand für die Aufrechterhaltung stabiler Verbindungen reduziert.
In der Praxis bedeutet jeder vermiedene Wiederholungsversuch Energie, die in der Batterie gespeichert bleibt, anstatt als fehlgeschlagene Pakete in die Luft versprüht zu werden.
Effizientere Audio- und isochrone Verkehrsführung
Die ISOAL-Erweiterung in Version 6.0 senkt die Latenz und verbessert die Zuverlässigkeit von LE-Audiostreams.
Warum ist das für die Machtverhältnisse von Bedeutung?
- Präzisere Timing-Abläufe und weniger Störungen verringern den Bedarf an Pufferung und erneuten Übertragungen.
- Geräte können zwischen gut geplanten Datenverkehrsspitzen mehr Zeit in Energiesparmodi verbringen.
Wir haben bereits gesehen, wie Siliziumhersteller Bluetooth 6.0 als Möglichkeit positioniert haben, bei Ohrhörern und Headsets “besseren Klang bei gleicher oder geringerer Leistung” zu erzielen, insbesondere in Kombination mit LE Audio und Auracast.
Was bietet Bluetooth 6.1 zusätzlich zu 6.0?
Bluetooth 6.1 ist eine kleinere, aber wichtige Version. Die Bluetooth SIG hat zu einem zweimal jährlichen Aktualisierungszyklus für den Kern umgestellt, daher ist Version 6.1 bewusst inkrementell.
Mit dieser Version werden Bluetooth® Randomized RPA (Resolvable Private Address) Updates eingeführt, eine Funktion, die entwickelt wurde, um Datenschutz und Energieeffizienz in Bluetooth-Geräten zu verbessern. (2)
Die Kernidee von Bluetooth 6.1: Datenschutz und Energieeffizienz durch intelligentere Adressänderungen.
Bluetooth-Geräte ändern häufig ihre Bluetooth-Adresse, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. In früheren Versionen erfolgten diese RPA-Änderungen in festen Abständen, oft etwa alle 15 Minuten. Diese Vorhersagbarkeit kann ausgenutzt werden, um Aktivitäten zu korrelieren und ein Gerät über einen längeren Zeitraum zu verfolgen.
Bluetooth 6.1 ändert zwei Dinge:
- Randomisierte Zeitplanung für RPA-Änderungen
- Die Standardrotation erfolgt zufällig innerhalb eines Zeitfensters (zum Beispiel zwischen 8 und 15 Minuten).
- Die Implementierungen können benutzerdefinierte Intervalle wählen, typischerweise von etwa 1 Sekunde bis 1 Stunde.
Diese Zufälligkeit macht Korrelationsangriffe viel schwieriger, da sich ein Angreifer nicht mehr auf einen stabilen Rotationsplan verlassen kann.
- RPA-Aktualisierungen werden im Controller und nicht auf der Host-CPU verarbeitet.
- Der Bluetooth-Controller übernimmt die Adressaktualisierung.
- Der Hostprozessor kann häufiger im Schlafmodus bleiben und muss weniger Buchhaltungsaufgaben erledigen.
Durch die Auslagerung von RPA-Updates auf den Controller wird die CPU-Last reduziert, was den Energieverbrauch von Wearables, Ohrhörern, Sensoren und medizinischen Geräten direkt senkt.
Aus Sicht von IoT-Anbietern und Geräteherstellern bietet Bluetooth 6.1 standardmäßig einen höheren Datenschutz, was insbesondere für Wearables im Gesundheitswesen und ortungssensitive Tags von Vorteil ist. Zudem ermöglicht es bei großem Umfang kleine, aber spürbare Einsparungen bei der Akkulaufzeit, vor allem bei vielen kleinen Netzwerken mit geringem Stromverbrauch.
Häufig gestellte Fragen
Über Bluetooth 6.0 und 6.1
Was ist Bluetooth 6.0 in einfachen Worten?
Bluetooth 6.0 Die neueste Hauptversion der Bluetooth-Kernspezifikation wurde 2024 eingeführt. Sie konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: deutlich präzisere Entfernungsmessung, intelligenteres und effizienteres Scannen sowie geringere Latenz für Streaming und andere zeitkritische Daten. Die Kernspezifikation wird von der Bluetooth SIG definiert und gepflegt. Die offizielle Funktionsübersicht fasst die neuen Funktionen unter folgenden Kategorien zusammen: Kanalabtastung, entscheidungsbasierte Werbefilterung, Überwachung von Werbetreibenden, ISOAL-Erweiterungen, ein erweiterter Funktionsumfang der Verbindungsschicht und ein flexibles Frame-Intervall. (1)
Was sind die wichtigsten neuen Funktionen von Bluetooth 6.0?
Das Hauptmerkmal ist Bluetooth Channel Sounding, mit dem zwei Geräte die Entfernung zentimetergenau messen können, beispielsweise für digitale Schlüssel, die Nachverfolgung von Gegenständen oder “Find my”-Netzwerke. Bluetooth 6.0 Zusätzlich werden entscheidungsbasierte Werbefilterung und die Überwachung von Werbetreibenden eingeführt. Dadurch können Geräte gezielter auswählen, welche Werbepakete für sie relevant sind, sodass sie weniger scannen und dennoch schnell reagieren können, wenn sich ein Gerät in Reichweite befindet oder diese verlässt. Darüber hinaus verbessern eine optimierte ISOAL (Isochronous Adaptation Layer) und ein konfigurierbarer Interframe-Abstand Latenz und Zuverlässigkeit für isochronen Datenverkehr wie LE-Audio und andere kontinuierliche Datenströme. (1)
Wie trägt Bluetooth 6.0 zur Verlängerung der Akkulaufzeit in realen Geräten bei?
Die verbesserte Akkulaufzeit resultiert hauptsächlich aus der Reduzierung unnötiger Funkaktivitäten. Dank entscheidungsbasierter Werbefilterung kann ein Scanner das erste Paket eines primären Werbekanals analysieren und entscheiden, ob es sich lohnt, auf Folgepakete zu warten, anstatt ständig jedes sekundäre Paket zu verfolgen. Die Überwachung von Werbetreibenden hilft dem Host außerdem zu erkennen, wann ein Gerät tatsächlich außer Reichweite ist, sodass lange, ressourcenintensive Scans nach nicht mehr vorhandenen Geräten vermieden werden. Verbraucherübersichten weisen darauf hin, dass diese intelligentere Filterung bedeutet, dass die Funkmodule nicht “ständig scannen” und dass diese gesteigerte Effizienz die Akkulaufzeit sowohl von Smartphones als auch von kompatiblem Zubehör verlängern sollte. Bluetooth 6.0. (1)
Was bietet Bluetooth 6.1 zusätzlich zu Bluetooth 6.0?
Bluetooth 6.1 ist ein kleineres “Punkt”-Update, das hauptsächlich randomisierte, auflösbare private Adressaktualisierungen (RPA) einführt. Anstatt die private Adresse eines Geräts in regelmäßigen Abständen zu ändern, wählt der Controller nun einen zufälligen Zeitpunkt innerhalb eines konfigurierten Bereichs und kann die Adresse autonom rotieren. Dies erschwert die langfristige Nachverfolgung erheblich und reduziert zudem die Aktivierungszyklen des Host-Prozessors, da die Adressverwaltung in den Controller verlagert wird, was zusätzlich Energie spart. In der Praxis kann man sich Version 6.0 als das große Funktionsupdate und Version 6.1 als die darauf aufbauende Schicht für Datenschutz und Energieoptimierung vorstellen. (2)
Sind Bluetooth 6.0 und 6.1 abwärtskompatibel und benötige ich neue Hardware?
Tatsächlich sind Bluetooth 6.x-Geräte so konstruiert, dass sie die Kompatibilität mit Bluetooth-Versionen Das bedeutet, dass ein Headset mit Bluetooth 6.0 zwar mit einem Smartphone mit Bluetooth 5.x verbunden werden kann, die neuen Funktionen aber nur dann nutzt, wenn beide Geräte diese unterstützen. Die Spezifikation wurde bereits von der Bluetooth SIG verabschiedet. Die tatsächliche Implementierung hängt von den Chipherstellern und Betriebssystem-Updates ab. Daher werben derzeit nur wenige Smartphones, Smartwatches und Audiogeräte mit Bluetooth 6.0, während Version 6.1 erst später unterstützt wird. Das Bluetooth-Ökosystem ermutigt Hersteller mittlerweile, Funktionen statt Versionsnummern zu bewerben. Daher findet man in Produktbeschreibungen häufiger Formulierungen wie “Unterstützt Channel Sounding” oder “Verbesserter Datenschutz durch zufällige Adressen” als “Bluetooth 6.1”, selbst wenn das Gerät tatsächlich auf dieser Kernspezifikation basiert.
Referenzen und weiterführende Literatur:





